Nochmals: Kinder, Jugendliche und Familien in den Blick – jetzt!

Beim Hearing des Sozialministeriums am 5. Juli 2022 zum Thema Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien im Pandemie-Herbst 2022 fordert der Familienbund für diese Zielgruppe die Aufrechterhaltung größtmöglicher Freiräume.

Mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter hat das Sozialministerium Expert*innen aus den Bereichen Familie, Familienbildung, Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit u.a. eingeladen, ihre Empfehlungen und Forderungen für eine gelingende Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in kurzen Statements zu Gehör zu bringen. Die Forderungen des Familienbunds wurden über den Landesfamilienrat miteingebracht.
Ausgangspunkt seiner Forderungen ist für den Familienbund vor allem folgender Aspekt:
Kinder und Jugendliche müssen nicht in erster Linie vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Corona-Krankheit geschützt werden, sondern vor allem vor den Maßnahmen, Einschränkungen und Eingriffen in ihre Lebenswirklichkeit, die von der Politik zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ergriffen werden.
Denn: Kinder und Jugendliche sind eine höchst vulnerable Gruppe, was ihr Risiko in Bezug auf psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und das soziale Abgehängt-werden von der Gesellschaft durch die Corona-Maßnahmen und Einschränkungen betrifft (siehe Abb. 1). Sie sind keine vulnerable Gruppe, was ihr Risiko eines schweren Corona-Erkrankungsverlaufs betrifft. Durch die Erfahrungen sowie Zahlen und Fakten aus Studien der vergangenen zwei Jahre besteht hier eine große, wenn auch erschreckende Klarheit.

Deshalb lautet die zentrale Forderung des Familienbunds:
Kindern und Jugendlichen auch im Herbst/Winter ein Höchstmaß an Freiräumen und gemeinschaftlichem Miteinander gewähren, um noch weitere Corona-Folgeschäden psychischer und entwicklungspsychologischer Natur, wie sie seit Pandemie-Beginn verstärkt in dieser Altersgruppe vorkommen, zu vermeiden. Im Notfall müssen die Erwachsenen zurückstecken und ihre Bewegungsfreiheit einschränken, nicht aber die Kinder und Jugendlichen.
Diese Position wird von allen Expert*innen im Hearing geteilt.

Folgende Punkte im Einzelnen sind aus der Perspektive des Familienbundes wichtig:

Schulschließungen, insbesondere flächendeckende, dürfen weiterhin keine politische Option mehr sein.

  1. Die sozialen Aktivitäten an den Schulen müssen auch in den Herbst- und Wintermonaten ohne Einschränkungen durchgeführt werden können. Nur Offenhaltung der Schulen ist zu wenig – die Kinder und Jugendlichen brauchen Schule als echten Sozialraum, nicht nur als Aufbewahrung und Wissensvermittlung.

Die Offenhaltung der Schulen letzten Winter war ein erster, erfolgreicher Schritt. Gleichwohl war die Freiheit an den Schulen selbst, insbesondere was soziales Engagement, Praktika, AGs, Fahrten, Ausflüge, Landschulheimaufenthalte, Austausche etc. betrifft, weiterhin stark eingeschränkt – so sehr, dass diese sozialen Aktivitäten, die Kultusministerin Theresa Schopper in ihrem Herbst-Schreiben den Schulen ans Herz gelegt hatte, über lange Zeit doch nicht durchgeführt werden durften. Es braucht jetzt die ernst gemeinte Ermutigung, auch in den Herbst- und Wintermonaten den Schülern soziale Aktivitäten weitgehend ohne knebelnde Maßnahmen zu ermöglichen.

Familienbildung und weitere non-formale Bildungsbereiche sowie Angebote der Kinder- und Jugendarbeit müssen offen und erreichbar bleiben.
Es gilt zu vermeiden, dass Kinder und Jugendliche wieder aus dem öffentlichen Raum verschwinden, wie in den letzten beiden Herbst- und Winter-Halbjahren geschehen. So bleiben sie erreichbar, so kann der Kinderschutz gesichert und der Kontakt zu den Familien aufrechterhalten werden.

Eine Koppelung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am öffentlichen Leben (Vereine, Veranstaltungen, private Treffen, Feiern etc.) an deren Impfstatus muss ausgeschlossen werden.
Kinder und Jugendliche, die während der Pandemie zu keinem Zeitpunkt für die Überlastung des Gesundheitssystems verantwortlich gemacht werden können, gleichwohl aber unter den Einschränkungen ihr Leben und ihren Sozialraum betreffend stark gelitten haben, dürfen nicht noch zusätzlich unter Druck gesetzt werden. Etwa dadurch, dass die Teilnahme an Vereinen, Sportveranstaltungen oder Konzerten o.ä. an 2G gekoppelt wird. Soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen so barrierefrei wie möglich zu gestalten, muss das oberste Ziel bleiben.

Kurz zusammengefasst:

  • Den Kindern und Jugendlichen ihr normales Alltagsleben in Schule, Familie und Freizeit erhalten.
  • Die Erwachsenen sind es, die solidarisch für die Kinder und Jugendlichen Einschränkungen zur Pandemie-Bekämpfung auf sich nehmen sollen.

Das heißt für den Familienbund der Slogan „Wir müssen die Kinder schützen“, den man immer wieder von Politiker*innen und Funktionär*innen hört.

Dr. Lucia Gaschick
Geschäftsführerin
Familienbund Freiburg